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Friedrich W. Kantzenbach

Erfundenes Glück

Der Autor beschäftigt sich auf lyrischem Weg mit den essentiellen Dingen des Lebens. Er reflektiert seine reichen literarischen Begegnungen und verarbeitet Reiseerlebnisse und persönliche Bekanntschaften mit Menschen, die ihn beeindruckten. Zunehmend durchdringen die Themen Krankheit, Tod und Vergänglichkeit seine Texte.

 

Der Blinde und der Lahme

Der Blinde und der Lahme

Christian Fürchtegott Gellert

Ein Blinder und ein Lahmer begegneten sich bei einem Fest. Da sagt der Blinde: „Es trifft sich gut, dass wir uns kennengelernt haben. Da ich nicht sehen kann, könntest du mich in Zukunft führen, wenn ich außer Haus gehen will".
Darauf antwortete der Lahme: „Gern bin ich bereit, dich zu geleiten. Doch leider bin ich gelähmt, kann also nicht gehen. Wenn wir voneinander profitieren wollen, so musst du mich auf deinem Rücken tragen. Dann kann ich für uns beide Umschau halten und du kannst uns zu den gewünschten Orten bringen. So wäre uns beiden gedient".
Die beiden besprachen sich lange, gewannen Vertrauen zueinander und stellten zu ihrer Freude bald fest, dass sie sich ergänzten und voll aufeinander verlassen konnten.
   
Fazit: Fast alle Menschen haben irgendwo Defizite oder Handicaps. Die aber lassen sich ausgleichen, wenn sie dazu bereit sind.
 
   
nacherzählt von Florian Russi

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Teaserfoto: Der Blinde und der Lahme (Jahr 1596) von
Johann Theodor de Bry, gemeinfrei