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Jürgen Klose
Kennst du Friedrich Schiller? 

Ein kreativer Querkopf mit allerlei Flausen scheint Schiller wohl gewesen zu sein, wenn man ihn mal ganz ohne Pathos betrachtet.

 

Wenn alle untreu werden
Die hier vorgestellte Version ist der ursprüngliche Text dieses Liedes und er stammt von Friedrich von Hardenberg, der sich als Schriftsteller "Novalis" nannte. Er war einer der bedeutendsten Dichter der deutschen Frühromantik. Seine Dichtungen sind von tiefer Melancholie und Sehnsucht durchzogen, so auch das folgende Lied. Veröffentlicht wurde es erstmals 1802, ein Jahr nach Novalis frühem Tod. Musikalisch unterlegt ist es leicht abgewandelt von der Melodie eines französischen Jagdliedes aus dem Jahre 1724. Dessen Text beginnt mit den Worten „Pour aller à la chasse faut être matineux" („Wer jagen will, muss früh aufstehen").

Die Weise wurde auch Eichendorffs „Nach Süden nun sich lenken" sowie dem Studentenlied „Einst saßen die alten Germanen zu beiden Ufern des Rheins" zu Grunde gelegt.

Im Jahr 1814 nahm der Schriftsteller Max von Schenkendorf das Novalis-Gedicht zum Ausgangspunkt einer neuen, veränderten Version, die auf Freundestreue und Kameradschaft zielt und sich im Nationalsozialismus und vor allem in der SS großer Beliebtheit erfreute. Anders als Schenkendorf besingt Novalis jedoch die Treue zu einem verstorbenen Freund und Gönner, dessen Lauterkeit und Menschlichkeit er nicht dem Vergessen anheim stellen will.


Florian Russi
       
Wenn alle untreu werden
Wenn alle untreu werden

1

. Strophe
Wenn alle untreu werden,
so bleib' ich dir doch treu,
dass Dankbarkeit auf Erden
nicht ausgestorben sei.
Für mich umfing dich Leiden,
vergingst für mich in Schmerz,
drum geb' ich dir mit Freuden
auf ewig dieses Herz.

2. Strophe

Oft muß ich bitter weinen,
dass du gestorben bist,
und mancher von den Deinen
Dich lebenslang vergisst.
Von Liebe nur durchdrungen
hast du so viel getan,
und doch bist du verklungen,
und keiner denkt daran.

 

3. Strophe
Du stehst voll treuer Liebe
noch immer jedem bei,
und wenn dir keiner bliebe,
so bleibst du dennoch treu.
Die treuste Liebe sieget,
am Ende fühlt man sie,
weint bitterlich und schmieget
sich kindlich an dein Knie.

4. Strophe

Ich habe dich empfunden,
O! lasse nicht von mir,
lass innig mich verbunden
auf ewig sein mit dir.
Einst schauen meine Brüder
auch wieder himmelwärts,
und sinken liebend nieder,
und fallen dir ans Herz.

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Noten gesetzt von Oliver Räumelt - freischaffender Musiker aus Weimar

   

    

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Teaserfoto: wikimedia; Novalis, Stahlstich von Friedrich Eduard Eichens (1845) - gemeinfrei