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Arno Pielenz
Kennst du Heinrich von Kleist?

"... mein Leben, das allerqualvollste, das ein Mensch je geführt hat." So schrieb Heinrich von Kleist an eine seinem Herzen nahe stehende Verwandte wenige Stunden, bevor er sich mit seiner Todesgefährtin am Wannsee erschoss.

Und wenn sich der Schwarm verlaufen hat

Und wenn sich der Schwarm verlaufen hat

Friedrich Adolf Krummacher

Die Ritter von der Gemütlichkeit


Dieses Lied wird gerne im Anschluss an den offiziellen Teil von Festkommersen gesungen. Das Gros der Teilnehmer hat die Veranstaltung verlassen; jetzt sind nur noch die Unentwegten zu Gange. Sie brauchen nicht mehr auf Etikette zu achten und huldigen stattdessen der Gemütlichkeit. Jetzt kann nach Herzenslust getrunken werden, frei debattiert und frei von der Leber weg gesungen werden. Das Lied ist ein Hochgesang auf die Freiheit von gesellschaftlichen Zwängen und Benimmregeln.

Florian Russi

1. Strophe
Und wenn sich der Schwarm verlaufen hat
um mitternächtige Stunde,
dann findet unter den Edleren statt
eine würdige Tafelrunde.
|: Es sind erhaben ob Raum und Zeit
die Ritter von der Gemütlichkeit. :|

2. Strophe
Und wie der Zapfen vom Fasse springt,
so springt der Deckel vom Herzen,
und was sich drinnen bewegt, das klingt
in lustigen Liedern und Scherzen.
|: Es sind dem freien Wort geweiht
die Ritter von der Gemütlichkeit. :|

3. Strophe
Wenn einem trocken die Kehle ward
und er durstig lechzt nach dem Nassen,
so ist es dieser Ritter Art,
dass sie ihn nicht sterben lassen.
|: Es sind dem Wohle der Menschheit geweiht
die Ritter von der Gemütlichkeit. :|

4. Strophe
Und wenn sich etliche Toren gar
in traurigem Irrtum bekannten
zu jener beklagenswerten Schar
der Sekte der Flagellanten*.
|: Denen setzen zurecht den Kopf beizeit
die Ritter von der Gemütlichkeit. :|

5. Strophe
Drum lebe hoch das freie Wort,
das frisch von den Lippen rinne!
Drum lebe, wem nicht die Kehle verdorrt
und wer nicht verachtet die Minne!
|: Drum leben, erhaben ob Raum und Zeit
die Ritter von der Gemütlichkeit. :|

* Als Flagellanten wurden christliche Fanatiker bezeichnet, die vor allem im 13. und 14. Jahrhundert über die Straßen zogen und sich öffentlichen geißelten. Diese meist blutigen Selbstgeißelungen verstanden sie als Akte der Buße für eigene oder auch fremde Sünden. Was sie hier im Text zu suchen haben ist schwer verständlich. Möglicherweise hatte der Autor mit solchen „Toren“ persönlich schlechte Erfahrungen gemacht. Vielleicht hat er sie aber auch nur als extremes Gegenbeispiel für diejenigen gesehen, die es sich in gemütlicher Runde gut gehen ließen.



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Noten und Liedtext zum kostenlosen Download



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Noten gesetzt von Oliver Räumelt - freischaffender Musiker aus Weimar


Vorschaubild: Nächtliches Trinkgelage, Gemälde von 1731 von William Hogarth, gemeinfrei