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Kennst du Friedrich Hölderlin?
Hans-Jürgen Malles 

Ein Mensch verbringt seine letzten Jahre in einem Turm...
Das klingt wie ein Schauermärchen? Doch genau dieses Schicksal ereilte einen der berühmtesten Dichter nicht nur der deutschen, sondern der Weltliteratur: Friedrich Hölderlin!

Hälfte des Lebens

Hälfte des Lebens

Friedrich Hölderlin

Eines der berühmtesten Gedichte von Friedrich Hölderlin

Herbstufer
Herbstufer

Das Gedicht erschien erstmals 1804 in Friedrich Wilmans „Taschenbuch für das Jahr 1805". Während der Text zu Beginn des 19. Jahrhunderts noch vielfach auf Unverständnis stieß, etablierte er sich durch die Aufmerksamkeit, die ihm beispielsweise Trakl, Celan, George oder Benn im 20. Jahrhundert widmeten, zur Lyrik von Rang. Heute zählt „Hälfte des Lebens" zu den bekanntesten Werken Friedrich Hölderlins. Sein Gedicht ist die Klage eines Einsamen, eines Losgelösten, der weder einen Platz in der Welt noch bei Gott gefunden hat. Mit großer Intensität gelingen dem Dichter Worte, die die Ursehnsucht des Menschen nach Ganzheit, einer tiefen Verbundenheit von Geist und Körper, lyrisch fassen. Das eigentlich Bedrückende dieses Textes ist die Erkenntnis einer absoluten Trostlosigkeit, wie sie in Hölderlins Poesie selten so scharf herausgearbeitet wurde.

 

 

Ulrike Unger

Hälfte des Lebens

 Friedrich Hölderlin

Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.

 

 

Weh mir, wo nehm' ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.

 

*****

Quellen:

Textquelle: [Stuttgarter Ausgabe] Friedrich Hölderlin. Sämtliche Werke. Hrsg. von Friedrich Beißner. Bd. 2. Stuttgart: Kohlhammer 1951. S. 117.

Fotos: Tina Romstedt