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Goethe hat ihn bewundert

Goethes Begegnungen mit Felix Mendelssohn Bartholdy.

Horst Nalewski

Der Musikkenner und international geachtete Literaturwissenschaftler Horst Nalewski erzählt anhand fünf ausgewählter Beispiele von dem außergewöhnlichen Aufeinandertreffen und Zusammenwirken zweier Künstler. Eine CD mit den Musikstücken liegt diesem Büchlein bei.

Sankt Nikolaus in Deutschland

Sankt Nikolaus in Deutschland

Florian Russi

Ein heiliger Tausendsassa

Nikolausstatue in St. Nikolaus (Saarland)
Nikolausstatue in St. Nikolaus (Saarland)

Nikolaus ist der bekannteste und beliebteste Heilige in der christlichen Welt und wird von Katholiken, Protestanten und Orthodoxen Christen gleichermaßen verehrt. Er ist der Nationalheilige Russlands, der Kroaten und Serben sowie Schutzpatron von Lothringen. Darüber hinaus ist er der Schutzheilige der Reisenden, Seefahrer, Liebenden, Kinder, Kaufleute, Apotheker, Rechtsanwälte, Metzger und weiterer Berufe. Auch Diebe, Gefangene und Gefängniswärter dürfen mit seiner schützenden Hand rechnen. Beliebt ist er aber vor allem bei Kindern. Ihnen bringt er Geschenke und erfüllt allerlei Wünsche.

Viele Kirchen und Kapellen oder religiöse Einrichtungen sind ihm geweiht. In Deutschland heißen 411 katholische Kirchengemeinden nach Sankt Nikolaus. Die protestantische Nikolaikirche in Leipzig war ein zentraler Ausgangspunkt für die Bürgerrevolution, welche schließlich zur deutschen Wiedervereinigung führte. Sechs Wohnorte tragen seinen Namen, einer nennt sich St. Nicolai, einer St. Nicola, ein weiterer St. Nikola und drei St. Nikolaus. Das im Saarland gelegene Dorf St. Nikolaus unterhält für ihn sogar ein eigenes Postamt.  

Russische Nikolaus-Ikone
Russische Nikolaus-Ikone

Über die Person des historischen Nikolaus ist wenig bekannt. Er lebte im 3. und 4. Jahrhundert, wurde in Patara geboren und entstammte einer wohlhabenden und angesehenen Familie. Sein Name ist griechischen Ursprungs und bedeutet Volksheld (Wörtlich: Sieg(reicher) des Volkes). Nikolaus wurde zum Bischof von Myra gewählt. Patara und Myra lagen in der damaligen römischen Provinz Lykien. Heute gehören sie zu der bei Touristen beliebten Provinz Antalya im Süden der Türkei. Während der Lebens- und Wirkungszeit des Nikolaus regierten im römischen Reich die Kaiser Diokletian und Konstantin der Große, der das Christentum zur Staatsreligion erhob.

Nikolaus von Myra soll ein großer Wohltäter und Nothelfer gewesen sein. Um ihn bildeten sich im Laufe von Jahrhunderten viele Legenden, die immer wieder neu ausgeschmückt, verändert oder mit anderen Heiligengeschichten vermischt wurden. Er soll sogar Dämonen und den Teufel bezwungen und sich dienstbar gemacht haben. Daher rührt wahrscheinlich die Figur des Knecht Ruprecht, Krampus, Beelzebub, Hans Muff oder Hans Trapp, der ihn oft begleitet, wenn er unterwegs ist, um Kinder zu beschenken. Knecht Ruprecht ist es dann auch, der die bösen Kinder bestraft, was der liebevolle und mildtätige Nikolaus heute nicht mehr tun würde.

Tafel: Nikolaus beschenkt drei mittellose Jungfrauen
Tafel: Nikolaus beschenkt drei mittellose Jungfrauen

Dass der Heilige vor allem zum Freund der Kinder wurde, wird durch eine Legende erklärt, wonach er sich sehr um die Ausbildung und Förderung von Jugendlichen gekümmert haben soll. Im Laufe der Zeit wurden die von ihm geförderten Schüler in der Gedankenwelt seiner Verehrer immer mehr verjüngt. Es wird auch von ihm erzählt, dass er drei Jungfrauen vor der Prostitution bewahrt habe, indem er mit Goldstücken gefüllte Beutel in das Haus von deren verarmtem Vater warf und ihnen so die für eine Heirat erforderliche Aussteuer zukommen ließ. Von daher soll u. a. der Glaube rühren, dass er sich selbst und seine Geschenke durch den Schornstein ins Haus bringen kann.

Es heißt, er habe unschuldig Verurteilten das Leben gerettet, weswegen er auch zum Schutzheiligen der Gefangenen wurde. Weil er darüber hinaus Händler schützte, wurde er auch zum Patron der Kaufleute und Seefahrer. Händler und Seeleute aus der süditalienischen Stadt Bari waren es auch, die seine körperlichen Überreste aus seiner Grabstätte in Myra raubten und sie in ihren Heimatort brachten, wo sie bis heute ruhen und verehrt werden. Grund für diese Aktion war die Sorge, dass Myra in die Hand von mohammedanischen Seldschuken fallen und dabei das Grab des christlichen Heiligen entweiht würde. Gleichzeitig wollten die Kaufleute von Bari aber auch denen von Venedig zuvorkommen, die ebenfalls den Plan hatten, den Leichnam des Nikolaus an sich zu bringen.

Der Weihnachtsmann mit einem kleinem Mädchen
Der Weihnachtsmann mit einem kleinem Mädchen

Durch Reisende und Pilger wurden Nikolaus und die sich um ihn rankenden Legenden schon früh auch in Deutschland bekannt. Zur Verbreitung der Nikolausfestbräuche in Deutschland soll vor allem Kaiserin Theophanu (955 oder 960 - 991), die Frau Kaiser Ottos II. und Mutter Ottos III., beigetragen haben. Sie war eine byzantinische Prinzessin und brachte die Verehrung des Heiligen aus ihrer Heimat mit.

Heute ist „Santa Claus" in der westlichen Welt auch zu einer wichtigen Werbeikone geworden. In der Weihnachtszeit tritt er uns in vielen Geschäften entgegen und sein Konterfei lockt Erwachsene und Kinder zum Kauf von Geschenken und Süßigkeiten an. Neben anderen haben die Firmen Coca Cola und Telekom den Weihnachtsmann massiv für ihre Vermarktungsstrategien eingesetzt und sein heutiges Erscheinungsbild wesentlich geprägt. In Liedern wird er besungen, in Gedichten gewürdigt und in bunten Farben gemalt. Vielfach reist er auf einem von Rentieren gezogenen Schlitten durch winterliche Landschaften.

Japanische Darstellung des Weihnachtsmanns aus 1914
Japanische Darstellung des Weihnachtsmanns aus 1914

In meiner Kindheit war es noch üblich, dass der Nikolaus, meist von Knecht Ruprecht begleitet, am Abend vor dem 6. Dezember, seinem Todes- und Namenstag, auf Bestellung der Eltern in die Häuser kam und den Kindern Geschenke und Belehrungen überbrachte. Später hörte ich den Vortrag eines Pädagogen, der dem katholischen Orden der Salesianer Don Boscos angehörte und „Spielpater" genannt wurde. Er brachte seinen Zuhörern Spiele bei, mit denen sich Erwachsene und Kinder ohne besonderen Aufwand überall miteinander vergnügen konnten. Dieser Pater warnte eindringlich davor, Kinder glauben zu machen, dass es der Nikolaus in Person wäre, der (wie auch der Osterhase oder das Christkind) zu ihnen käme. Eltern sollten ihren Kindern nie die Unwahrheit sagen. Damit gefährdeten sie das Vertrauen zueinander. Dies fand ich sehr einleuchtend. In meinem Fall lobte mich der Nikolaus einmal für etwas, was ich nie getan hatte und ein anderes Mal mussten meine Schwester und ich bis in die Nacht auf ihn warten. Als er dann endlich kam, war er sturzbetrunken.

Das alles aber sollte der Bedeutung des sympathischen Heiligen keinen Abbruch tun.

 

 

Literatur:
Roman Mensing, Nikolaus von Myra, Patmos Verlag, Düseldorf 2007. ISBN 978-3-491-70412-1.

Bildquellen:
- Vorschaubild: Weihnachtsbriefmarke "Nikolaus" der Deutschen Bundesport von 1984
- Statue des Heiligen Nikolaus in St. Nikolaus im Saarland: Florian Russi.
- "Nikolaus beschenkt drei mittellose Jungfrauen" Originalbeschreibungstext bei Wikimedia Commons: "Bild einer Tafel von einem dem Nikolaus von Myra gewidmeten Altar. Es zeigt, wie der Heilige drei mittellose Jungfrauen mit Goldklumpen beschenkt, damit sie heiraten können. Der Vater bedankt sich bei ihm. Der Altar existiert nicht mehr, zwei Klapptafeln sind jedoch erhalten und hängen in der Kirche St. Mariae in Mühlhausen in Thüringen."  Urheber: Friedrichsen, Lizenz CC BY-SA 3.0.
- Der Weihnachtsmann mit einem kleinem Mädchen. Urheber: Jacob Windham from Mobile, USA
CC BY-SA 2.0, via Wikimedia Commons
- Japanische Darstellung des Weihnachtsmanns in Japan 1914. Urheber: kodomo no tomo, gemeinfrei, via Wikimedia Commons.