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Martinsfest - Wir feiern Martini

Florian Russi

Kleine Broschüre mit Texten und Liedern zum Martinstag

Laterne, Laterne ... Im dunklen Monat November hält das Martinsfest einen Lichtpunkt für uns bereit. Vor allem Kinder freuen sich weit im Voraus auf den Martinstag, um mit ihren leuchtenden Laternen durch den Ort zu ziehen. Die Hintergründe zur Geschichte des festes und den traditionellen Bräuchensind in dieser Broschüre festgehalten. Mit einer Anleitung für eine selbstgebastelte Laterne, drei leckeren Rezepten und vielen Liedern, Gedichten und Reimen ist sie ein idealer Begleiter für jedermann.

Lederhosensaga

Lederhosensaga

Börries Freiherr von Münchhausen

Jagen und Reiten gehören zur freiherrlichen Familientradition, und so wird eine verarbeitete Jagdtrophäe, in diesem Fall eine hirschlederne Reithose, von Generation zu Generation weitervererbt. Die Sinnhaftigkeit der immer starrer werdenden Tradition wird nicht in Frage gestellt. Nur die Hose selbst nimmt sich das Recht heraus, sich von Mal zu Mal wenigstens farblich zu verändern.
Mit seiner Saga verfasste Börries von Münchhausen (1874-1945) eine herrliche Persiflage auf steife Sitten und Gepflogenheiten.

Florian Russi

 

Es war ein alter schwarzbrauner Hirsch,
Großvater schoß ihn auf der Pirsch,
Und weil seine Decke so derb und dick,
Stiftete er ein Familienstück.

Nachdem er lange nachgedacht,
Ward eine Hose daraus gemacht, -
Denn Geschlechter kommen, Geschlechter vergehen,
Hirschlederne Reithosen bleiben stehen.

Er trug sie dreiundzwanzig Jahr,
Eine wundervolle Hose es war!
Und als mein Vater sie kriegte zu Lehen,
Da hatte die Hose gelernt zu stehen,
Steif und mit durchgebeulten Knien
Stand sie abends vor dem Kamin, -
Schweiß, Regen, Schnee - ja, mein Bester:
Eine lederne Hose wird immer fester!

Und als mein Vater an die Sechzig kam,
Einen Umbau der Hose er vor sich nahm,
Das Leder freilich war unerschöpft,
Doch die Büffelhornknöpfe war'n dünngeknöpft
Wie alte Gröschen, wie Scheibchen nur,
Er erwarb eine neue Garnitur.

Und dann allmählich machte das Reiten
Ihm nicht mehr dem Spaß wie in früheren Zeiten,
Besonders der Trab in den hohen Kadenzen
Ist kein Vergnügen für Exzellenzen,
So fiel die Hose durch Dotation,
An mich in der dritte Generation.

Ein Reiterleben in Niedersachsen, -
Die Gaben der Hose war'n wieder gewachsen!
Sie saß jetzt zu Pferde wie aus Guß
Und hatte wunderbaren Schluß
Und abends stand sie mit krummen Knien
Wie immer zum Trocknen am Kamin.

Aus Großvaters Tagen herüber klingt
Eine ferne Sage, die sagt und singt,
Die Hose hätte in jungen Tagen
Eine prachtvolle grüne Farbe getragen,
Mein Vater dagegen, - weiß ich genau, -
Nannte die Hose immer grau.

Seit neunzehnhundert ist sie zu schaun
Etwa wie guter Tabak: braun!
So entwickelt sie, fern jedem engen Geize,
Immer neue ästhetische Reize,
Und wenn mein Ältester einst sie trägt,
Wer weiß, ob sie nicht ins Blaue schlägt!

Denn fern im Nebel der Zukunft schon
Seh ich die Hose an meinem Sohn.
Er wohnt in ihr, wie wir drin gewohnt
Und es ist nicht nötig, daß er sie schont,
Ihr Leder ist gänzlich unerschöpft,
Die Knöpfe nur sind wieder durchgeknöpft,
Und er stiftet, folgend die Väter Spur,
Eine neue Steinnußgarnitur.

Ja - Geschlechter kommen, Geschlechter gehen,
Hirschlederne Reiterhosen bleiben bestehen.

     

     

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Bildquelle: wikipedia - Urheber: Claude TRUONG-NGOC