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Anleitung zum Selbstmanagement von Rudolf Dadder

Rudolf Dadder:
Anleitung zum Selbstmanagement

Wer in seinem Leben etwas erreichen will, muss sich selbst managen.
Rudolf Dadder, der Autor des Buches "Parteien in der europäischen Gemeinschaft" zeigt in diesem kleinen Band, dass auch persönlicher Erfolg plan- und gestaltbar ist

 

 

Die FDP

Deutsche Liberale am Scheideweg

Die Freie Demokratische Partei (FDP) wurde 1948 in Heppenheim (Bergstraße) gegründet. Sie knüpfte an die Tradition der demokratischen und liberalen Bewegungen an, die u. a. im „Hambacher Fest" ihren Ausdruck gefunden hatten. Im ersten frei gewählten deutschen Parlament, das vom 18. Mai 1848 bis zum 31. Mai 1849 in der Frankfurter Paulskirche tagte, spielten die Vertreter dieser Bewegungen gewichtige Rollen, bildeten jedoch keine gemeinsame Fraktion. Im Jahr 1861 gründeten liberale Mitglieder des preußischen Abgeordnetenhauses die Deutsche Fortschrittspartei (DFP). Von ihr spaltete sich im Jahr 1866 die Nationalliberale Partei ab. Der verbliebene Teil der DFP fusionierte im Jahr 1884 mit der „liberalen Vereinigung" zur Deutschen Freisinnigen Partei, die dadurch im Deutschen Reichstag nach der Zentrumspartei zur zweitstärksten Fraktion wurde.

Theodor Heuss
Theodor Heuss

In der Weimarer Republik bildeten die „fortschrittlichen" und „freisinnigen" Liberalen zusammen mit dem linken Flügel der bis 1918 bestehenden Nationalliberalen Partei die Deutsche Demokratische Partei (DDP). Aus dem rechten Flügel der Nationalliberalen gründete sich die „Deutsche Volkspartei" (DVP). Führende Vertreter dieser beiden Parteien waren Friedrich Naumann (1860-1919) und Walter Rathenau (1867-1922) (DDP) sowie Gustav Stresemann (1878-1929) (DVP). Zu den Mitgliedern der DDP zählten Theodor Heuss, Thomas Mann, Wilhelm Külz und viele weitere prominente Persönlichkeiten. Den Aufruf zur Gründung der Partei hatten u. a. auch Albert Einstein und Max Weber unterzeichnet.

Mit Gründung der FDP sollte die Spaltung der Liberalen in zwei und mehr Lager aufgegeben werden. Führende Repräsentanten der neuen Partei waren vor allem Theodor Heuss (1884-1963), Reinhold Maier (1889-1971) und Thomas Dehler (1897-1967). Theodor Heuss wurde der erste Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland, Reinhold Maier erster Ministerpräsident von Baden-Württemberg und Thomas Dehler war von 1949 bis 1963 Bundesjustizminister.

Hans-Dietrich Genscher
Hans-Dietrich Genscher

Viele Jahre bildete die FDP unter den Parteien in der Bundesrepublik die „Dritte Kraft". Von 1949 bis 1966, von 1982 bis 1998 und wieder seit 2009 koalierte sie mit CDU und CSU, von 1969 bis 1982 mit der SPD. Hans Dietrich Genscher, erst Bundesgeschäftsführer und dann langjähriger Vorsitzender der Partei, war achtzehn Jahre lang deutscher Außenminister und hatte maßgeblichen Einfluss auf die internationale Rolle und Vertrauensbildung sowie die Wiedervereinigung Deutschlands.

ach der Wende, im Jahr 1990, kam es zum Zusammenschluss der FDP mit dem Bund Freier Demokraten (BFD). Dieser wiederum war die Vereinigung der Liberal-Demokratischen Partei (LDP) und der National-Demokratischen Partei Deutschlands (NDPD) in der ehemaligen DDR. Die LDP (später: LDPD) war 1945 gegründet worden und hatte bei den Landtagswahlen im Oktober 1946 in der damaligen Sowjetischen Besatzungszone insgesamt 24,6 der Stimmen auf sich vereinigt. Damit war sie nach der SED die zweitstärkste politische Partei, wurde aber von den herrschenden Sozialisten entmachtet und gleichgeschaltet.

Guido Westerwelle
Guido Westerwelle

In der Bundestagswahl von 2009 erreichte die FDP unter ihrem Vorsitzenden Guido Westerwelle mit 14,6 % Stimmenanteil ihr bisher bestes Ergebnis auf Bundesebene. Im Wahlkampf hatte sie vor allem Steuererleichterungen versprochen. Nach der Wahl aber musste sie feststellen, dass die deutsche Bevölkerung in ihrer großen Mehrheit soziale Sicherheit der freien Wirtschaft vorzieht. Die FDP verlor bei Umfragen und Landtagswahlen erheblich an Resonanz. Mit der Wahl eines neuen Parteivorstands im Mai 2011 will sie das verlorene Vertrauen der Wähler wieder zurückgewinnen.

Seit 2010 wird in der FDP über ein neues Grundsatzprogramm diskutiert. Dabei geht es um die Antworten des modernen Liberalismus auf die aktuellen Fragen in Staat und Gesellschaft. Der neue (Neo- bzw. Ordo-) Liberalismus, geprägt von Persönlichkeiten wie Walter Eucken (1891-1950), Wilhelm Röpke (1899-1966) oder Ralf Dahrendorf (1929-2009) strebt eine Gesellschaftsform an, in der die individuelle Freiheit im Mittelpunkt steht und gleichzeitig bestimmte Ordnungsprinzipien, Gesetze und Regeln dafür Sorge tragen, dass die Freiheitsrechte für jedermann attraktiv sind und von niemanden missbraucht werden dürfen. Dies gilt es zu konkretisieren. Die liberale Bewegung in Europa hat Großartiges geleistet für die Befreiung der Menschen von starren Konventionen, Traditionen und doktrinären Strukturen. Die Väter des Liberalismus wie John Locke (1632-1704), Charles de Montesquieu (1689-1755) und Adam Smith (1723-1790) hatten aber auch erkannt, dass Freiheit nur möglich ist, wenn sie bewusst und verantwortungsvoll gelebt wird. Deshalb war für sie ebenso wichtig wie die Forderung nach Freiheit der Aufbau einer breiten Volksbildung.

Freiheit und Bildung bedingen sich gegenseitig. Für die Zukunft der FDP als Partei könnte es danach erforderlich sein, auch in der Bildungspolitik merkliche Akzente zu setzen.

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Literatur:
- Rudolf Dadder, Die Parteien in der Europäischen Gemeinschaft, 2. Aufl., Pontes Verlag, Andernach, 1979
- Joachim Raschke (Hrsg.), Die Politischen Parteien in Westeuropa - Ein Handbuch, Rowohlt-Taschenbuchverlag, Reinbek 1978
- Dolf Sternberger / Bernhard Vogel (Hrsg.), Die Wahl der Parlamente, Band I: Europa (2 Halbbände), De Gruyter Verlag, Berlin 1969

Bildnachweise:
- FDP-Logo,+ Foto "Hans-Dietrich Genscher" + Foto "GuidoWesterwelle": FDP-Pressebilder
- Foto "Theodor Heuss" Bundesarchiv, Bild 146-1983-098-20 / CC-BY-SA via Wikimedia Commons