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Das Kräuterweib vom Hexenberg

Heil- und Gewürzpflanzen

Viola Odorata

Broschüre zur Bedeutung und Anwendung von Heil- und Gewürzpflanzen

Der Fischer

Der Fischer

Johann Wolfgang von Goethe

Diese Ballade aus dem Jahr 1779 ist im Ansatz vergleichbar Heinrich Heines „Lied der Loreley". Auch Goethes Fischer lässt sich von einer nixenartigen schönen Frau in ihren Bann ziehen. Allerdings sind es diesmal nicht die blonden Haare und die betörende Melodie, die den Mann ins Unglück stürzen lassen, sondern die verlockenden Worte des „feuchten Weibes". Es ist also nicht die überwältigende Schönheit der Frau, die den Fischer ins Wasser zieht, vielmehr das Wasser selbst übt auf den Mann eine unbändige Anziehungskraft aus, das durch die Nixe symbolisiert wird. Die berauschende Stimme der Nixe, die in das rhythmische Gurgeln des Wassers übergeht, lockt den Fischer ins sprudelnde Nass: „Halb zog sie ihn, halb sank er hin, und ward nicht mehr gesehen."

Anna Hein

Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Ein Fischer saß daran,
Sah nach dem Angel ruhevoll,
Kühl bis ans Herz hinan.
Und wie er sitzt und wie er lauscht,
Teilt sich die Flut empor:
Aus dem bewegten Wasser rauscht
Ein feuchtes Weib hervor.

Sie sang zu ihm, sie sprach zu ihm:
»Was lockst du meine Brut
Mit Menschenwitz und Menschenlist
Hinauf in Todesglut?
Ach wüßtest du, wie's Fischlein ist
So wohlig auf dem Grund,
Du stiegst herunter, wie du bist,
Und würdest erst gesund.

Labt sich die liebe Sonne nicht,
Der Mond sich nicht im Meer?
Kehrt wellenatmend ihr Gesicht
Nicht doppelt schöner her?
Lockt dich der tiefe Himmel nicht,
Das feuchtverklärte Blau?
Lockt dich dein eigen Angesicht
Nicht her in ew'gen Tau?«

Das Wasser rauscht', das Wasser schwoll,
Netzt' ihm den nackten Fuß;
Sein Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll
Wie bei der Liebsten Gruß.
Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;
Da war's um ihn geschehn;
Halb zog sie ihn, halb sank er hin
Und ward nicht mehr gesehn.