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Reden wir von der Liebe

Florian Russi (Hrsg.)

Liebe ist ein Thema, das jeden berührt...Ein manchmal ernüchterndes und zugleich poetisches Buch.

Konrad Adenauer

Flagge USA

Geboren am 05. Januar 1876 in Köln, gestorben am 19. April 1967 in Rhöndorf.
Erster Kanzler der Bundesrepublik Deutschland (1949-1963).

Er wollte nicht nur sein Leben leben, sondern etwas bewirken. Deshalb versuchte er sich als junger Mann mit Erfindungen. Doch sein leuchtendes Stopfei oder seine Sojawurst fanden nicht den gewünschten Erfolg.

Später, als er Oberbürgermeister von Köln war, konnte er die Erfahrung machen, dass der, dem von Amts wegen die Initiative zukam, vieles bewegen und erreichen konnte, wenn er durchsetzungsstark war und es ihm gelang, diejenigen, auf deren Votum es ankam, von seinen Vorstellungen zu überzeugen.

Von 1921 bis 1933 war er zugleich Präsident des preußischen Staatsrates, doch war es ein Amt ohne politische Macht. Ohnmächtig musste Konrad Adenauer erleben, wie immer mehr Deutsche dem Demagogen Hitler hinterher liefen und selbst die katholische Zentrumspartei, der Adenauer angehörte, vor der Herrschaft der Nationalsozialisten einknickte. Er sah, wie viele Patrioten aus Unerfahrenheit, Gehorsam, Angst, Anpassung oder Opportunismus sich dem „Führer" unterwarfen und selbst die römische Kirche sich durch ein Konkordatsangebot zu einem Arrangement mit den religionsfeindlichen Machthabern verlocken ließ. Diese Erfahrungen haben Adenauer tief geprägt. Was ihm später manchmal als Menschenverachtung ausgelegt wurde, entsprang den Erlebnissen menschlicher Schwäche. Er selbst zog sich ins innere Exil zurück, stand unter Beobachtung der Gestapo und hatte es nur seinem damals schon hohen Alter zu verdanken, dass er nicht in ein Konzentrationslager verbracht wurde.

Nach dem Ende der NS-Herrschaft erkannte er seine historische Chance und griff zielsicher nach der Macht in der neu entstehenden Bundesrepublik Deutschland. Als deren erster Kanzler gestaltete er in den Jahren 1949 bis 1963 eine Politik, die an Klarheit kaum zu übertreffen war. In der Wirtschaftspolitik unterstützte er das von Ludwig Erhard vertretene System der Sozialen Marktwirtschaft, in der Innenpolitik ließ er die traditionellen gesellschaftlichen Kräfte, wie Kirchen, Gewerkschaften und Verbände sich freizügig entfalten und in der Außenpolitik betrieb er die unzweideutige Integration der Bundesrepublik Deutschland in die westliche, von den USA geführte, freiheitlich-demokratische Welt. In dieser Welt sollte das neue Deutschland ein gleichberechtigter Partner werden. Es bedeutete, wie die deutsche Geschichte leidvoll gelehrt hatte, unbedingte Zuverlässigkeit und Vertrauenswürdigkeit gegenüber den Partnerländern. Dies war einer der Gründe dafür, warum Adenauer 1951 nicht auf das Angebot Stalins einging, mit der Sowjetunion über ein neutrales wiedervereinigtes Deutschland zu verhandeln. Er blieb fest und ließ den Verdacht, dass Deutschland unzuverlässig sein könnte, gar nicht erst aufkommen.  

Wesentliche Schritte auf dem Weg, die für Deutschland so verheerenden Folgen der Nazizeit zu beenden, sah er in der dauerhaften Verständigung mit Frankreich, einer Übereinkunft mit Israel, dem neu gegründeten Staat der Juden, sowie mit Deutschlands östlichem Nachbarland Polen, das allerdings damals noch zum sowjetischen Machtbereich gehörte. Die Wiedervereinigung Deutschlands in Frieden und Freiheit blieb sein erklärtes Ziel, auch wenn er nüchtern erkannte, dass sie ohne die Zustimmung der Sowjetunion nicht zu erreichen war. Für ihn setzte das voraus, dass im Ostblock zunächst von der herrschenden Ideologie der internationalen Diktatur des Proletariats unter der Führung der marxistisch-leninistischen Partei Abstand genommen werden musste. Umgekehrt bedeutete es für ihn ein konsequentes Festhalten des Westens an Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit.

Früher als erwartet hat ihn die geschichtliche Entwicklung in erstaunlichem Umfang bestätigt. Bei einer Umfrage des Zweiten Deutschen Fernsehens (ZDF) über den größten Deutschen entschieden sich die meisten Zuschauer für Konrad Adenauer, der glaubwürdig einmal gesagt hatte: „Ich habe den Wunsch, dass später einmal, wenn die Menschen über den Nebel und Staub dieser Zeit hinwegsehen, von mir gesagt werden kann, dass ich meine Pflicht getan habe."

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Bildquellen:
- Vorschaubild: Deutsches Bundesarchiv, B 145 Bild-F078072-0004, Katherine Young
- Fotografik"Konrad Adenauer: Josef Albert Slominski,© slomigrafik.de- mit freundlicher Genehmigung