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Luther im Himmel

Das jünste Gericht

Christoph Werner

Der große Reformator steht vor dem jüngsten Gericht; er ist angeklagt, auf Erden wahrhaft unchristlich gehandelt zu haben, da er Hexen, Juden und andere Gegner zu ersäufen oder zu pfählen empfahl. Nun muss er sich vor Gott rechtfertigen, warum er gegen das biblische Gebot der Nächstenliebe verstoßen habe.

Hintergrund der Silvester- und Neujahrsbräuche

Hintergrund der Silvester- und Neujahrsbräuche

Andreas Schneider

Der Jahreswechsel ist nicht nur für die Jahreszählung bedeutend ist, Ordnung muss schließlich sein, auch im Ablauf der Zeit – irgendwann muss ein Ende sein im Jahr und demzufolge auch ein Anfang, auch wenn es nicht immer streng festgelegt war und im Verlauf der Zeit auch wechselte. Unabhängig vom Termin des Jahresbeginns, der zudem auch in den Kulturkreisen unterschiedlich festgelegt ist, haben sich dazu in allen Kulturkreisen vielfältige Brauchhandlungen ausgebildet. Im europäisch-christlich beeinflussten Kulturkreis begehen wir erst offiziell nach der Festlegung von Papst Innozenz XII. von 1691 den 1. Januar als Neujahrstag und den Tag davor als Silvester. Der erste Tag im neuen Jahr sowie der Tag und der Abend davor, also Silvester als letzter Tag des alten Jahres, sind in unserem Kulturkreis heute brauchmäßig fest verschmolzen, Silvester und Neujahr gehören also heute sozusagen als „Brauchzwillinge“ untrennbar zusammen.

Wahrsagen in den "Zwölf Nächten"
Wahrsagen in den "Zwölf Nächten"

Wie wir beide Tage heute begehen, unterscheidet sich allerdings ziemlich von den Bräuchen, wie sie die Vormoderne bis ins 19. Jahrhundert ausbildete, beeinflusst von einer hauptsächlich agrarisch geprägten Gesellschaft. Dabei haben sich alte Formen weiterentwickelt bzw. auch mit neuen Inhalten gefüllt: Ursprünglich sollten zum Beispiel mit Lärm und Feiern böse Mächte und ins besonders die Spukgestalten einer im früheren Aberglauben besonders gruselig gedachten Zeit, der „Zwölf Nächte“ zwischen Weihnachten und Dreikönigstag, erschreckt und vertrieben werden. Dieser Sinnbezug ist aber in der heutigen Zeit verloren gegangen, wie überhaupt bei vielen alten Bräuchen der Vormoderne, nicht nur zu Silvester und Neujahr. Das scheint uns aber nicht weiter zu stören – wir unterwerfen uns trotzdem immer gern den verschiedensten Bräuchen, die uns zu den verschiedensten Anlässen im Lebens- und Jahreslauf überkommen sind. Warum wir Menschen die Brauchhandlungen trotzdem irgendwie zu „brauchen“ scheinen, erklären die Kulturwissenschaftler und Psychologen ähnlich: Bräuche sind für uns Menschen feste Rituale geworden, Handlungen mit Wiederholungs- und sinnstiftendem Charakter für uns, die uns die Zeit strukturieren, Alltag vom Fest unterscheiden sowie für uns Freude, Spaß, Fantasie und Gemeinschaftsgefühl freisetzen – den Drang, dabei zu sein und Mitwirkung zu erleben, auch Selbstwirksamkeit. Das kommt besonders beim Abbrennen von Böllern und Feuerwerk zu Silvester und Neujahr zum Ausdruck: Ihre vor allem bei Jugendlichen und Kindern zu beobachtende Beliebtheit resultiert heute wohl vor allem aus der Faszination, die der Lärm ausübt, aus einem beeindruckenden Gefühl der Selbstwirksamkeit, etwas Großartiges und z. T. Furchterregendes auslösen zu können – auch etwas Spannendes, wie wird es ausgehen, immer verbunden mit dem inneren Gefühl der Sicherheit, es kann ja eigentlich nichts passieren.

Neujahrsfeier auf dem Times Square in New York
Neujahrsfeier auf dem Times Square in New York

Beliebt in Großstädten: Silvester-Open-Air-Parties

Der Jahresbeginn muss auch in einer stark entsakrilisierten Welt wie der unsrigen besonders begangen werden, schließlich ist er bedeutsam – denn es beginnt ja etwas Neues. Was wäre da nicht angebrachter als ein Fest der Lebensfreude! Untrennbar gehören also inzwischen fast überall ausgelassene Feiern zum Silvester- und Neujahrsbrauch, gern auch als große Straßenparties unter freiem Himmel, besonders in den Großstädten – natürlich mit viel Sekt, Shows, Musik und Tanz auf vielen Bühnen und Partyzelten und ringsum fortwährend tolle Partystimmung. Solche Silvester-Open-Air-Parties werden zuweilen sogar schon „Public Partying“ genannt - als Analogiebildung zum 2006 aufgekommenen „Public Viewing“ während der Fußballweltmeisterschaft. Die größte Silvesterparty Deutschlands findet übrigens seit 1995 alljährlich in der deutschen Hauptstadt Berlin statt, auf einem Areal von über zwei Kilometern rund um das Brandenburger Tor, laut Angaben der Veranstalter. Dass solche öffentlichen Spaßveranstaltungen und Partymeilen nicht gänzlich gefahrlos sind, bewiesen die viel diskutierten Vorkommnisse in der Silvesternacht 2015 in Köln.

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Bildquellen:

Sektgläser von Ulrike Mai (Counselling) via pixabay.com, gemeinfrei

Wahrsagen in den "Zwölf Nächten" im Jahr 1885, gemeinfrei

Neujahrsfeier auf dem Times Square in New York. Urheber: Anthony Quintano via Wikimedia Commons (CC BY 2.0)