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Kennst du Gotthold Ephraim Lessing?
vorgestellt von Jürgen Krätzer

Jürgen Krätzer eröffnet uns eine neue Sicht auf den Autor. Lessing entpuppt sich als schulverdrossener Aufrührer, als Student in „schlechter Gesellschaft" und als leidenschaftlicher Glücksspieler, der sich von Job zu Job hangelt. Bewusst stellte er sich gegen die damaligen Erwartungen und prangerte die Scheuklappen der Gesellschaft an. Krätzer zeigt dies anhand unkonventioneller Fabeln und Gedichte, seiner Kritiken und Briefe. Zugleich setzt er sich mit Lessings neuartiger Theatertheorie und den aufklärerischen Werten in seinen Dramen auseinander. Dabei gelingt es ihm aufzuzeigen, wie relevant und modern deren Themen noch heute sind.

Der Strandkorb

Phänomen deutscher Strandkultur

Urlaub am Ostseestrand
Urlaub am Ostseestrand

An deutschen Stränden von Nord- und Ostsee darf er nicht fehlen, an den Küsten von Dänemark, Schweden oder den Niederlanden bleibt er nach wie vor weitgehend unbeachtet: der Strandkorb. Dabei ist dieses als „Sitzgelegenheit für den Strand als Schutz vor Sonne und Wind“ entwickelte Strandmöbel eher eine Erfindung aus dem Bereich Rehabilitation als ein touristischer Impuls.

Ein Mecklenburger hat‘s erfunden

Am 7. Oktober 1845 wurde Wilhelm Bartelmann in Bergedorf, heute ein Bezirk der Hansestadt Hamburg, geboren. Als Sohn einer alten Korbmacherfamilie, die ursprünglich aus der Hansestadt Lübeck kam, machte er sich 1870 auf, um in der Hansestadt Rostock seine eigene Werkstatt zu eröffnen. Ein Mindestalter von 25 Jahren war in der damaligen Zeit gesetzlich vorgeschrieben, um einen eigenen Handwerksbetrieb zu betreiben.

Schon bald wurde er offiziell zum großherzoglichen Korbmacher von Mecklenburg-Schwerin bestellt und erarbeitete in dieser Funktion u. a. das Sitzmobiliar für das im Jahr 1714 erbaute Großherzogliche Palais am heutigen Universitätsplatz in Rostock.

Wilhelm Bartelmann war mit der aus Rostock stammenden Adligen Elfriede Maltzahn (1848–1927) verheiratet. Seine Frau, die das Leben am Strand über alles liebte, konnte aufgrund ihrer fortschreitenden Rheuma-Erkrankung immer seltener die Sonnentage an der Ostsee verbringen. Deshalb kam dem Korbmacher Bartelmann im Jahre 1882 die Idee, einen speziellen Strand-Stuhl zu entwickeln, in dem seine kranke Frau Sonne und Strand weiterhin genießen konnte.

Strandkorbvermietung à la Bartelmann

Großvater im Korbstuhl, 1811
Großvater im Korbstuhl, 1811

In die gleiche Zeit der Erfindung des Strandkorbs fällt auch die Einführung der Vermietung dieses Strandmobiliars. Die geschäftstüchtige Ehefrau des Erfinders war es nämlich, die in der Nähe des Leuchtturms von Warnemünde die weltweit erste Strandkorbvermietung eröffnete.

Heute sind Strandkörbe aus den Seebädern, Kur- oder sonstigen Orten an den deutschen Stränden von Nord- und Ostsee nicht mehr wegzudenken. Auch in vielen Gärten, auf Terrassen und Balkons haben diese bequemen Sonnenmöbel inzwischen vielfach Einzug gehalten.

Die Familie Bartelmann setzte das Geschäft mit den Strandkörben weiter fort. Auch die sieben Kinder von Wilhelm und Elfride waren außerordentlich geschäftstüchtig und eröffneten unter dem Namen des Strandkorberfinders sechs Familiengeschäfte entlang der Ostseeküste, u. a. in den Ostseebädern Kühlungsborn, Graal-Müritz, Dierhagen und Rerik.

Nord- oder Ostseetyp für ein oder mehrere Personen

Ursprünglich schuf Wilhelm Bartelmann, der heute ganz offiziell als Erfinder des Strandkorbs gilt, einen speziellen „Strand-Stuhl“, der für eine Person gedacht war. Aufgrund der steigenden Nachfrage entwickelte der Korbmacher um 1883 auch ein größeres Modell, in dem zwei Personen Platz fanden: den eigentlichen und heute bekannten Strandkorb.

Wilhelm Bartelmann, der am 25. Juli 1930 in der Hansestadt Rock starb, versäumte es zeitlebens, ein Patent auf seine Erfindung des Strandkorbs anzumelden. So konnten auch andere Handwerker die Idee aufgreifen und das Strandmöbel weiterentwickeln.

So wurde etwa 15 Jahre nach dem Prototyp von einem Lehrling Bartelmanns ein Strandkorb mit verstellbarem Rückenteil, der sogenannte „Halblieger“, entwickelt. Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts gehörten Strandkörbe dann zur guten Ausstattung aller deutschen Küstenbäder.

Heute gibt es zwei Grundtypen von Strandkörben in den verschiedensten Breiten, die für eine oder mehreren Personen bestimmt sind: den Strandkorb vom Typ Ostsee, den man u. a. an den geschwungenen Seitenteilen und einer abgerundeten Haube erkennt, und zum anderen den Nordseetyp, der sich durch gerade Haubenform und ebensolche Seitenteile auszeichnet. Mit diesen geraden Formen ist dieser Strandkorbtyp für das eher raue Nordseeklima besser geeignet.

Neue Materialien und Fertigungsformen

Strandkörbe in Schleswig-Holstein
Strandkörbe in Schleswig-Holstein

Die ursprünglich in Handarbeit aus Rohr und Weide geflochtenen und mit Tuch bespannten Strandkörbe werden heute zumeist aus Materialien hergestellt, die wesentlich witterungs- und UV-beständiger, langlebiger und pflegeleichter sind. So wurde das Naturgeflecht größtenteils durch Kunststoff ersetzt.

Für Beschläge oder andere Metallteile wird heute fast ausnahmslos Edelstahl verwendet. Verbaute Holzteile sind wetterfest imprägniert, Stoffe und Polster halten der starken Beanspruchung am Strand und von Sonne, Wind und Wetter sehr viele Jahre stand.

Die aufwendige Handarbeit bei der Fertigung von Strandkörben wurde weitgehend durch eine maschinelle Produktion abgelöst, was Strandkörbe preislich für fast jedermann erschwinglich macht.




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Bildquellen:
Vorschaubild, Der Strand von Zingst. Am Horizont ist die Insel Hiddensee erkennbar. Urheber: indeedous via Wikimedia Commons gemeinfrei

Zentralbild-Schwadten Wjt-Ho 14 Motive 2.7.1955 Urlaub am Ostseestrand. Aus allen Teilen der Deutschen Demokratischen Republik sind die Urlauber in die Ostseebäder der Halbinsel Darß, der Inseln Rügen und Usedom eingezogen. Für zwei oder drei Wochen sind See, Sonne, Wind, Wellen und weisser Strand nur zur Freude der nur zur Freude der Erholungssuchenden da. UBz: Die Sonnenhungrigen. Bundesarchiv, Bild 183-31476-0012 / Schwadten / CC-BY-SA 3.0

Großvater im Kreis seiner Familie von Johann Heinrich Wilhelm Tischbein (1751–1829), gemeinfrei

Strand in Kiel-Schilksee in der Kieler Bucht Bundesarchiv, B 145 Bild-F010965-0003 / CC-BY-SA 3.0