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Florian Russi
Der Drachenprinz

Märchen, Sagen und Geschichten aus der Mitte Deutschlands.

Johann Andreas Eisenbarth

Johann Andreas Eisenbarth

Florian Russi

„Ich bin der Doktor Eisenbarth“

Johann Andreas Eisenbarth. Kupferstich von Martin Bernigeroth (1697)
Johann Andreas Eisenbarth. Kupferstich von Martin Bernigeroth (1697)


Johann Andreas Eisenbarth war ein bedeutender Handwerkschirurg in der frühen Neuzeit. Er wirkte in vielen Regionen Deutschland als Wundarzt, Starstecher sowie als Hofaugenarzt.

Eisenbarth wurde am 27. März 1663 in Oberviechtach in der Oberpfalz (Bayern) geboren. Sein Vater war Bruchschneider (Chirurg für Leistenbrüche) und Okulist (Augenarzt). Er starbals Johann Andreas 10 Jahre alt war. Der Sohn kam daraufhin in die Obhut der Familie seiner älteren Schwester. Deren Ehemann war ebenfalls als Augenarzt und Chirurg tätig. Auch Johann Andreas wurde zum Wundarzt, Chirurgen und Okulisten ausgebildet. Das waren zu dieser Zeit noch rein handwerkliche Tätigkeiten. Zwar wurde an einigen Universitäten Medizin gelehrt, doch dieses Studium konnten sich nur sehr wenige leisten. Es wurde streng unterschieden zwischen der inneren Medizin, die den akademisch ausgebildeten Ärzten vorbehalten war und der Chirurgie, die von heilkundigen Handwerkern ausgeübt wurde.

Briefmarke der Deutschen Bundespost zum 250. Todestag von Johann Andreas Eisenbarth
Briefmarke der Deutschen Bundespost zum 250. Todestag von Johann Andreas Eisenbarth

Die medizinische Wissenschaft stand zu dieser Zeit noch auf einem niedrigen Niveau. Es gab keine Kenntnisse über Bakterien oder Viren. Die Pest galt nicht als naturbedingte Epidemie, sondern als Strafgericht Gottes. Die Heilmethoden waren größtenteils primitiv und barbarisch. Arzneien und Salben wurden von Apothekern, Ärzten und Heilpraktikern nach Erfahrungen und persönlichen Kenntnissen hergestellt. Sie unterlagen keiner strengen wissenschaftlichen Kontrolle.

Akademisch ausgebildete Ärzte und fachlich versierte Heilkundige gab es fast nur an den Fürstenhöfen und in den Klöstern. Das breite Land war gesundheitlich unterversorgt. Es zogen viele Quacksalber umher und boten ihre fragwürdigen Dienste an. Barbiere und Bader, zum Teil auch Schmiede und Scharfrichter betätigten sich als Chirurgen.

Auch Johann Andreas Eisenbarth zog von Ort zu Ort und bot auf Messen und Jahrmärkten seine Dienste an. Seine Operationen führte er meistens in einem Zelt durch. Schon bald erwarb er sich einen hervorragenden Ruf als Wundarzt, Chirurg und Augenarzt. Seine Behandlungen hat er so genau wie möglich dokumentiert. Es heißt, dass ihm nur ganz wenige Operationen misslungen seien. Seine Heilerfolge müssen ganz ungewöhnlich gewesen sein.

Johann Andreas Eisenbarth Figur am Ortseingang von Hann. Münden
Johann Andreas Eisenbarth Figur am Ortseingang von Hann. Münden

Durch eine gelungene, sehr komplizierte Operation an einem Offizier, der einen Kopfschuss erhalten hatte und dessen Augenlicht bedroht war, gewann er das Vertrauen des Preußenkönigs Friedrich Wilhelm I. Der ernannte ihn zum Hofrat und Hofaugenarzt. Im Laufe der Jahre wurde Eisenbarth mit immer neuen Ehrungen und Privilegien überhäuft und wurde zu einem wohlhabenden Mann. Es wurde ihm erlaubt, eigene Medikamente herzustellen und sie zu verkaufen. Zeitweise soll er 120 Mitarbeiter beschäftigt haben.

1686 heiratete er Catharina Elisabeth Heinigke, die Tochter eines Kollegen. Mit ihr bekam er 7 Kinder.

Obwohl Eisenbarth in Magdeburg ein größeres Anwesen erwarb und seinen Hauptwohnsitz dorthin verlegte, blieb er häufig unterwegs und wirkte an vielen Orten.

Er starb am 11.November 1727 in Münden bei Hannover. Sein Leichnam wurde im Chorraum der dortigen St. Aegidienkirche beigesetzt.

Eisenbarths Popularität fand ihren Ausdruck auch in einem Spottlied, in der Art, wie sie in der damaligen Zeit auf Jahrmärkten beliebt waren. Es wird auch heute noch gesungen. Die Melodie diente auch dem Lied „Ein Mann der sich Kolumbus nannt“ als Grundlage.


1. Ich bin der Doktor Eisenbart,
widewidewitt, bum, bum,
kurier die Leut auf meine Art,
widewidewitt, bum, bum,
Kann machen, daß die Blinden gehn,
und daß die Lahmen wieder sehn.
Gloria, Victoria, widewidewitt, jucheirassa !
Gloria, Victoria, widewidewitt, bumm, bumm !


2. Zu Potsdam operierte ich
den Koch des großen Friederich.
Ich schlug ihm mit dem Beil vorn Kopf,
gestorben ist der arme Tropf.

3. Zu Ulm kuriert ich einen Mann,
daß ihm das Blut vom Beine rann.
Er wollte gern gekuhpockt sein,
ich impft’s ihm mit dem Bratspieß ein.

4. Des Küsters Sohn in Dideldum,
dem gab ich zehn Pfund Opium,
drauf schlief er Jahre, Tag und Nacht,
und ist bis heut nicht aufgewacht.

5. Es hatt’ ein Mann in Langensalz
’nen zentnerschweren Kropf am Hals,
den schnürt ich mit dem Waschseil zu,
probatum est: – nun hat er Ruh.

6. Zu Wien kuriert ich einen Mann,
der hatte einen hohlen Zahn.
Ich schoß ihn aus mit der Pistol,
dem Mann, dem ist jetzt immer wohl.

7. Das ist die Art, wie ich kurier,
sie ist probat, ich bürg dafür!
Dass jedes Mittel Wirkung tut,
schwör ich bei meinem Doktorhut!

*****

- Vorschaubild: Johann Andreas Eisenbarth im Alter von 54 Jahren. Kupferstich von A. B. König aus dem Jahr 1717.
- Johann Andreas Eisenbarth. Kupferstich (beschnitten) von Martin Bernigeroth, Leipzig aus dem Jahr 1697.
- Briefmarke der Deutschen Bundespos zum 250. Todestag von Johann Andreas (Doktor) Eisenbarth, Erstausgabetag 10. November 1977
- Johann Andreas Eisenbarth Figur am Ortseingang von Hann. Münden. Foto: Axel Hindemith, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de; via wikimedia commons