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Karlheinz Fingerhut 
Kennst du Franz Kafka?

Was für ein komischer Kauz muss dieser Kafka wohl gewesen sein, dass kaum ein Lehrer so recht weiß, wie ihn vermitteln. Dabei ließen sich Kafkas Texte mit Träumen vergleichen, und die kennt doch jeder.
Karlheinz Fingerhut ermöglicht in diesem Buch einen leichteren Zugang zum Menschen Kafka und zu seinen teils verwirrenden Werken.

Osterbräuche

Das Fest der Auferstehung und der erwachenden Natur

Osterei, Osterhase, Osterwasser und Osterspaziergang - für nicht wenige erscheinen sie als der zentrale Inhalt des Osterfestes. Dabei sind dies nur seine heute noch üblichen und beliebtesten Symbole oder Bräuche. Aber alle diese und andere noch heute weit verbreiteten Osterbräuche sind ohne die christliche Osterfeier von Tod und Auferstehung Christi nicht denkbar. Denn sie entstanden im engen Zusammenhang mit ihrer langen historischen Herausbildung. Ostern und nicht etwa Weihnachten ist nämlich das älteste christliche Fest und zugleich für die christlichen Kirchen auch das Hauptfest im Kirchenjahr. In den vielerlei Bräuchen, mit denen Ostern heute in Deutschland gefeiert wird, ist allerdings eine Trennung zwischen Oster- und Frühlingsbrauch nicht immer klar zu erkennen. Im Vordergrund stehen der Beginn der Vegetationsperiode und der Sieg des Lebens über den Tod. Auch wenn es für gläubige Christen unverständlich sein sollte - dies ist der Hintergrund, weshalb Ostern auch für Nichtchristen Bedeutung erlangen kann.

Bräuche geben der Zeit Struktur

Hier zeigt sich auch ein anderer Aspekt: Viele Bräuche entstanden, um Alltag und Festtag zu unterscheiden, um die Zeit im Jahresablauf zu strukturieren. So entwickelten sie sich in einem Bedingungsgefüge von Alltag, Brauchform und Tradition weiter. Ihr religiöser, seit dem Mittelalter zumeist christlich geformter Hintergrund kann dabei inzwischen überdeckt worden sein oder aber für viele nicht mehr die ursprüngliche Bedeutung haben - doch selbst in der zunehmend entsakralisierten westlichen Welt der Gegenwart werden solche Feste noch immer fast von allen begangen. Das trifft vor allem und gerade für die drei großen Hauptfeste im Jahr zu, Weihnachten, Ostern und Pfingsten.

Die Osterbräuche

Die regionalen Osterbräuche in Deutschland umfassen nicht nur das Osterfest. Unterschiedliche Brauchformen zeigt schon die Karwoche, die Woche vor dem Osterfest, die in allen christlichen Kirchen dem Gedächtnis an Leiden und Sterben Jesu Christi am Kreuz gewidmet ist. Sie beginnt mit dem Palmsonntag, an dem Christen dem Einzug Jesu Christi in Jerusalem auf einem Esel gedenken. Ein seit mehr als 400 Jahren erhaltener Brauch ist die große Prozession mit  überlebensgroßen Figuren in Heiligenstadt im katholischen Eichsfeld. Von Gründonnerstag, dem Donnerstag vor Karfreitag, bis in die Osternacht schweigen die Glocken der katholischen Kirchen - laut dem Volksglauben sind sie nach Rom geflogen. Den am Gründonnerstag gelegten Eiern wurde besondere Segens- und Schutzkraft zugeschrieben.

Den Eiern kam überhaupt eine große Rolle im Osterbrauch zu. In vielen Kulturen gelten sie als Symbol der Fruchtbarkeit. Weil mit Ostern die Fastenzeit der katholischen Kirche endete und das Verspeisen der Eier als „flüssiges Fleisch" während der Fastenzeit verboten war, durfte man sie nun auch wieder essen. Pragmatische Gründe könnten so auch für das Färben der gekochten Ostereier ausschlaggebend gewesen sein: Da die Hühner nichts von dem Fastenverbot wussten und während der 40-tägigen Fastenzeit weiter fleißig Eier legten, brauchte man einen „Trick", um die nun übermäßig vorhandenen und z. T. überlagerten Eier an den Mann oder an die Frau oder das Kind zu bringen. 

Ostereier
Ostereier

Das Suchen gefärbter oder anders verzierter Eier, die angeblich vom Osterhasen gebracht wurden, kennt man schon seit dem 17. Jahrhundert. Eine der ältesten Überlieferungen wird mit Georg Franck von Franckenau verbunden. Der in Naumburg an der Saale geborene Medizinprofessor lehrte ab 1672 in Heidelberg und war als Dekan der Medizinischen Fakultät zugleich Herausgeber der Universitätsreihe „Satyrae medicae", einer der damals üblichen Publikationsmöglichkeiten zu unterschiedlichsten Themen; im Band 18 dieser Reihe, erschienen 1682, findet sich eine sechzehnseitige lateinische Abhandlung mit dem Titel „De ovis paschalibus (Von Oster-Eyern)", die allerdings nicht von Georg Franck, sondern von dem reformierten Pfarrer und Arzt Johannes Richier aus Frankfurt am Main verfasst wurde. Sicher basierend auf den Angaben älterer Autoren, wird der schon weitverbreitete „Irrglauben" an „Haseneier" beschrieben, allerdings stark ironisierend -manches spricht dafür, dass es sich insgesamt um eine Spaßschrift handeln könnte: „In Südwestdeutschland, in unserer heimatlichen Pfalz, im Elsaß und angrenzenden Gegenden, wie auch in Westphalen, heißen solche Eier die Haseneier. Man macht dabei einfältigeren Leuten und kleinen Kindern weis, diese Eier brüte der Osterhase aus und verstecke sie im Garten ins Gebüsch." Außerdem warnte Richier mahnend vor den gesundheitsschädlichen Wirkungen von gekochten Eiern. In einem anderen Buch der Zeit findet sich allerdings auch der Ratschlag: „Auf Ostern iß hart gesotene Eyer, dann bist du das gantze Jahr gesund."

Später wurde die Eiersuche mit vielen weiteren Spielen verknüpft ? ein Brauch, der sich wohl zuerst in evangelischen Familien und in Städten durchsetzte. Einer der ältesten Belege dafür ist aus einem prominenten Haus in Weimar überliefert, wo es ? nach einem Bericht von Friedrich Matthisson aus Weimar von 1783 ? schon am Gründonnerstag und nicht erst am Ostersonntag üblich war, „Ostereier aufzuwittern. Die muntere Jugend, worunter auch kleine Herders und Wielands [Goethes Patenkinder] waren, zerschlug sich durch den Garten und balgte sich bei dem Entdecken der schlau versteckten Schätze miteinander nicht wenig. [...] Ich erblicke Goethe noch vor mir. [...] Der stattliche Herr im goldverbrämten blauen Reitkleide erschien mitten in dieser Quecksilbergruppe als ein wohlgewogener und ernster Vater, der Ehrfurcht und Liebe gebot. Er blieb mit den Kindern beisammen bis nach Sonnnenuntergang und gab ihnen am Ende eine Naschpyramide preis."

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Bildquellen:

- Vorschaubild: Ostereier im geflochtenen Osterkorb mit Osterglocke. Urheber: Toelstede (Wikipedia-Name Nyks) via Wikimedia Commons, CC BY-SA 3.0

- Ostereier von Jan Kamení?ek via Wikimedia Commons, gemeinfrei