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Goethe hat ihn bewundert

Goethes Begegnungen mit Felix Mendelssohn Bartholdy.

Horst Nalewski

Der Musikkenner und international geachtete Literaturwissenschaftler Horst Nalewski erzählt anhand fünf ausgewählter Beispiele von dem außergewöhnlichen Aufeinandertreffen und Zusammenwirken zweier Künstler. Eine CD mit den Musikstücken liegt diesem Büchlein bei.

Der Christ- oder Weihnachtsbaum

Der Christ- oder Weihnachtsbaum

Herbert Kihm

Aus Deutschland in die Welt

 


Der Christ- oder Weihnachtsbaum ist ein geschmückter Nadelbaum, der auf öffentlichen Plätzen, in Kirchen und natürlich zu Hause aufgestellt wird. Als Schmuck dienen meist Lichterketten, Kerzen, Glaskugeln, Lametta, Strohsterne, Äpfel, Nüsse, Gebäck, Engels- oder andere Figuren.

Historie:

Immergrüne Pflanzen verkörperten Lebenskraft, und darum glaubten die Menschen in früheren Zeiten, sich Gesundheit ins Haus zu holen, indem sie ihr Zuhause mit Grünem schmückten. Dies galt in der Antike ebenso wie im Mittelalter. Die Aussage, dass die erste urkundliche Erwähnung eines Christbaumes aus dem Jahre 1419 stammt, ist weit verbreitet, kann allerdings nicht mehr durch Quellen belegt werden. Die Freiburger Bäckerschaft soll nach dieser Aussage einen Baum mit allerlei Naschwerk, Früchten und Nüssen behängt haben, den die Kinder nach Abschütteln an Neujahr plündern durften.

Die älteste schriftliche Erwähnung eines Weihnachtsbaums wird ins Jahr 1527 datiert. Zu lesen ist in einer Akte der Mainzer Herrscher von „die weiennacht baum" im Hübnerwald in Stockstadt am Main. Von 1539 gibt es ebenso einen urkundlichen Beleg, dass im Straßburger Münster ein Weihnachtsbaum aufgestellt wurde. Die ersten Aufzeichnungen über den Christbaum als einen allgemein üblichen Gebrauch stammen aus dem Jahre 1605, wiederum aus dem Elsass:

„Auff Weihnachten richtet man Dannenbäume zu Straßburg in den Stuben auf. Daran henket man Roßen auß vielfarbigem Papier geschnitten, Aepfel, Oblaten(....) und Zucker".

Der Weihnachtsbaum in der Literatur:

Von Johann Wolfgang von Goethe stammt eine der ersten Erwähnungen des Weihnachtsbaums in der deutschen Literatur. In dem Briefroman Die Leiden des jungen Werthers (1774) besucht der Protagonist am Sonntag vor Weihnachten die von ihm verehrte Lotte und spricht von den Zeiten, da einen die unerwartete Öffnung der Türe und die Erscheinung eines „aufgeputzten Baumes" mit Wachslichtern, Zuckerwerk und Äpfeln in paradiesisches Entzücken versetzte. Friedrich Schiller hat in seinen Werken zwar keine Weihnachtsszene geschildert, aber er liebte das Fest unter dem Baum. 1789 schrieb er an Lotte (s. Beitrag: „Charlotte Luise Antoinette von Lengefeld") dass er zu Weihnachten nach Weimar komme, und meinte: „Ihr werdet mir hoffentlich einen grünen Baum im Zimmer aufrichten." Im Jahre 1805 wurde der Weihnachtsbaum einem großen Leserkreis dadurch bekannt, dass ihn Johann Peter Hebel in dem Lied Die Mutter am Christabend aus seinen Alemannischen Gedichten erwähnte. E. T. A. Hoffmanns Märchen Nussknacker und Mausekönig aus dem Jahre 1816 ist das erste Berliner Literaturdenkmal, in dem der lichterglänzende, mit goldenen Äpfeln und Bonbons geschmückte Tannenbaum in der Mitte der Weihnachtsbescherung erscheint.

Der Christbaum wird zu einer weltweiten Tradition:

Als in evangelischen Kreisen im 19. Jahrhundert der Christbaum ins Brauchtum übernommen wurde, trat der Christbaum seinen Siegeszug an. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts ist der Weihnachtsbaum auch in den katholischen Regionen Deutschlands und Österreich bezeugt. Die Tradition wurde von Henriette von Nassau-Weilburg, der Gattin Erzherzog Karls, aufgegriffen und breitete sich von da an in allen Gesellschaftsschichten Österreichs aus. Nach Nordamerika gelangte der Christbaum durch deutsche Auswanderer und Matrosen. 1832 stellte der deutschstämmige Harvard-Professor Karl Follen als erster einen Weihnachtsbaum in seinem Haus in Cambridge (Massachusetts) auf und führte so diesen Brauch in Neuengland ein, von wo er seinen Siegeszug in den Vereinigten Staaten antrat. Als sich die englische Königin Viktoria 1840 mit Albert von Sachsen-Coburg und Gotha vermählte, kam der Weihnachtsbaum nach London. 1837 führte die Herzogin Helene von Orleans den Weihnachtsbaum in die Tuilerien ein, später machte sich die Kaiserin Eugenie um seine Verbreitung in Frankreich verdient.

Weihnachtsbäume im öffentlichen Raum:

So steht seit dem EU-Beitritt ein österreichischer Nadelbaum vor dem EU-Parlament in Brüssel. Desgleichen wird jedes Jahr mit Beginn des Weihnachtsmarktes ein Tannenbaum auf dem Hamburger Rathausmarkt aufgestellt, der ein Geschenk eines nordischen Staates an den Stadtstaat ist. Umgekehrt wird seit Jahren von der Stadt Cuxhaven eine Nordmanntanne per Schiff in die Partnerstadt Hafnarfjödur/Island geschickt. (Die Landwirtschaftskammer Niedersachsen muss zuvor ein „Pflanzen-Gesundheitszeugnis" erstellen, das bestätigt, dass der Baum gesund ist und ausgeführt werden kann!)

Aufbau und Schmuck:

Der Weihnachtsbaum wird vor dem Heiligen Abend in einem Ständer aufgestellt (s. Artikel auf saarland-lese: „Schdress vorm Feschd "), abgeschmückt wird er nach dem 6. Januar (Heilig Drei König).

Bestand der Schmuck ursprünglich in erster Linie aus Äpfeln, Gebäck, Strohsternen und natürlich Kerzen, so wurde der gläserne Christbaumschmuck seit der Mitte des 19. Jahrhunderts vor allem durch Heimarbeiter in Thüringen angefertigt. Um das Jahr 1880 importierte der US-Amerikaner Frank Winfield Woolworth die ersten Christbaumkugeln in die Vereinigten Staaten. Dadurch wurde die Produktion stark ausgeweitet. In der DDR, übernahmen nach dem 2. Weltkrieg die Volkseigenen Betriebe (VEB) Glaskunst und Glasschmuck die Herstellung durch maschinelle Massenproduktion. In der Bundesrepublik Deutschland kamen seit den 1950er Jahren zunehmend Kugeln aus Kunststoff in Mode, die weniger zerbrechlich waren. In der Glasbläserstadt Lauscha wird heute noch in traditioneller Handwerkskunst der gläserne Christbaumschmuck hergestellt.

Heute bieten alle großen Einzelhändler sowie die Weihnachtsmärkte eine große Auswahl von Christbaumschmuck in unterschiedlichstem Design an.

 

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Fotos: Herbert Kihm