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Roland Opitz
Kennst du Fjodor Dostojewski?

Das Leben Dostojewskis glich einer Achterbahnfahrt: stetig pendelnd zwischen Verehrung und Verachtung, zwischen Erfolg, Spielsucht und Geldnot. Mit 28 Jahren wurde er wegen revolutionärer Gedanken des Hochverrats angeklagt und zum Tode verurteilt, landet dann aber im sibirischen Arbeitslager.
Er gilt als Psychologe unter den Schriftstellern, derjenige der hinab schauen kann in die Abgründe der menschlichen Seele. Diese Biografie ist gespickt mit Auszügen aus seinen Meisterwerken sowie mit einigen seiner Briefe, die einen offenherzigen Menschen zeigen.

Herr! Schicke, was du willst

Herr! Schicke, was du willst

Dieses Gedicht ist Ausdruck eines Hochgefühls christlicher Demut. Eduard Mörike war evangelischer Pfarrer und als Dichter ein Exponent des schwäbischen Biedermeiers. Dies bedeutete „Spießbürgertum", Rückzug ins Private und „stilles Bescheiden".

Der Autor hat sich darin eingefunden, dass Gott es ist, der den Menschen das Leben geschenkt hat und nun mehr oder weniger darüber verfügt. Es hat weder Sinn noch Aussicht auf Erfolg, dagegen aufzubegehren. Also fügt man sich und hofft, dass man auch mal etwas von Gottes Güte zu spüren bekommt, dass einen das Schicksal nicht zu sehr beutelt und wenn es einen trifft, sich in erträglichen Grenzen hält. Dass der Autor auch ein schlimmes Leiden „vergnügt" auf sich nehmen würde, brauchen wir ihm nicht zu glauben. Mörike selbst hat nicht nur brav geduldet, sondern sich auch immer wieder um bessere Lebenssituationen bemüht. Genau genommen ist das Gedicht eine unterwürfige Anklage. Da gibt es einen allmächtigen Gott, der mit uns machen kann, was er will.


Florian Russi

  

Herr! Schicke,
was du willst,
ein Liebes oder Leides;
ich bin vergnügt,
daß beides
aus deinen
Händen quillt.

 

  

   

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Teaserfoto: wikimedia - gemeinfrei; Eduard Mörike, Lithografie von Bonaventura Weiß, 1851