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Kennst du Antoine
de Saint-Exupéry?

Karlheinrich Biermann

Großer Beliebtheit erfreut sich noch heute die Geschichte vom kleinen Prinzen, jenem philosophischen Märchen, das von Liebe, Freundschaft und Tod handelt. Darin geht Saint Exupery der Frage nach dem Sinn des Lebens nach und blickt zurück auf sein eigenes: das Abenteuer einer Bruchlandung, das Überleben in der Wüste, die Sehnsucht nach der verlorenen Liebe … all das war dem Autor nur allzu vertraut.

Ännchen von Tharau

Ännchen von Tharau

Und Lieder können ihre sehr eigenwillige Geschichte haben. So auch das volkstümliche „Ännchen von Tharau". Es besingt die 1615 in Tharau (Ostpreußen) geborene Pfarrerstochter Anna Neander. Mit 14 Jahren verlor sie beide Eltern und kam zu einem Vormund. Im Jahr 1636 heiratete sie den Pfarrer Johannes Partatius. Als dieser nach 10 Ehejahren verstarb, ehelichte sie dessen Amtsnachfolger und nach dessen frühem Tod wiederum den nächstfolgenden Pfarrstelleninhaber. Dies entsprach einer damals nicht unüblichen Pfarrwitwenversorgung.

Das Lied soll anlässlich ihrer ersten Hochzeit entstanden sein. Als Autor wurde lange Zeit der ostpreußische Dicher Simon Dach vermutet, doch wird dies von neuen Forschungen in Frage gestellt. Sicher ist, dass der Urtext in samländisch-niederdeutscher Sprache verfasst wurde. Die erste Vertonung stammt von dem barocken  Komponisten und Liederdichter Heinrich Albert. Er kommt auch als Autor des ursprünglichen Textes in Betracht.
Im Jahr 1778 wurde der Text von Johann Gottfried Herder ins Hochdeutsche übertragen. Fast 50 Jahre später komponierte Friedrich Silcher dazu die heute so bekannte und beliebte Melodie.

Lisa Neumann

Ännchen von Tharau ist, die mir gefällt,
sie ist mein Leben, mein Gut und mein Geld.
Ännchen von Tharau hat wieder ihr Herz
auf mich gerichtet in Lieb und in Schmerz.
Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut,
du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut.

Käm‘ alles Wetter gleich auf uns zu schlahn,
wir sind gesinnt, beieinander zu stahn.
Krankheit, Verfolgung, Betrübnis und Pein
soll unsrer Liebe Verknotigung sein.
Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut,
du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut!

Recht als ein Palmenbaum über sich steigt,
hat ihn erst Regen und Sturmwind gebeugt:
so wird die Lieb‘ in uns mächtig und groß,
nach manchem Leiden und traurigem Los.
Ännchen von Tharau, mein Reichtum, mein Gut,
du meine Seele, mein Fleisch und mein Blut!

Würdest du gleich einmal von mir getrennt,
lebtest da, wo man die Sonne kaum kennt;
ich will dir folgen durch Wälder und Meer,
Eisen und Kerker und feindliches Heer.
Ännchen von Tharau, mein Licht, meine Sonn‘,
mein Leben schließt sich um deines herum!

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Text: Heinrich Albert/ Johann Gottfried Herder
Musik: Friedrich Silcher

 

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Vorschaubild: Rita Dadder,  unter Verwendung eines Fotos "Das Ännchen des Simon-Dach-Brunnens", Nutzungsrecht freigegeben von Urheber "Inductor", gefunden in Wikipedia